Aus der Zeit gefallen in Myanmar

Disclaimer: laaaanger Beitrag

Unser erstes Land in Asien war Myanmar. Welch ein Einstieg! Nachdem wir auf dem Flughafen in Singapur Luxus mit kostenlosen Fußmassagemaschinen, Kino, zig Restaurants und Zengärten mit Wasserspielen genossen haben, hat uns Myanmar einige Jahrzehnte in der Zeit zurückgeworfen. Abgesehen von Yangon (und eventuell der nach Berichten zufolge etwas leblosen, 2005 gegründeten Retorten-Hauptstadt, die wir nicht besucht haben) gab es keine ausländischen Caféketten, Restaurants oder was man sonst üblicherweise so findet. Gut, es breiten sich allerorts mehr Smartphone-Geschäfte aus als die Leute brauchen könnten, aber sonst fühlt sich Myanmar so seltsam isoliert an, gerade in den dörflichen Gegenden. Diese fast komplett leeren Einraumhüttchen in denen Großfamilien leben; keine Werbung nirgends; Benzin in Glasflaschen; Ochsenkarren; tägliche Stromausfälle, die den halben Tag einnehmen können… Und die Menschen – solch eine ehrliche Freude über Fremde hatten wir vorher nirgends. Überall kommen die Leute um uns zu begrüßen (das war’s dann auch, denn die meisten können kein/wenig Englisch, was dazu führen kann, dass Taxifahrer das Wort airport nicht verstehen und man wie ein Depp einen Vogel nachmachen muss…), alle Kinder hüpfen und winken. Und ganz asien-untypisch kriegt man meist auch die richtigen Preise gesagt. Interessant ist natürlich auch der Umbruch, der gerade stattfindet. Alle haben ein Smartphone, keiner kann es benutzen. Das erzeugt so herrliche Momente (erst später witzig), dass uns fünf Taxifahrer hintereinander abwiesen, weil sie das Hotel zu dem wir wollten nicht verstanden – und das obwohl wir ihnen die Adresse zeigten, auf Googlemaps zeigten wo wir sind und wo das Hotel ist und sie auch selbst alle eine Smartphone hatten. Das wird allerdings nicht für Googlemaps etc. benutzt sondern um Freunde anzurufen und zu fragen wo das ist worüber diese Touristen reden… Der letzte Taxifahrer nahm uns auch nur mit, weil ein anderer Burmese ihm dann genau erklärte, wo er langfahren muss (in etwa „da vorne rechts, dann bis zum Park, unter der Brücke durch …“).

Auch den Buddhismus hatten wir uns etwas anders vorgestellt, eher Richtung ruhige Zengärten (Singapurer Flughafen lässt grüßen), Wasserspiele, stille Mönche… Nix ist. Die Tempel (jedenfalls die modernen) beschallen ganze Stadtviertel mit verzerrtem Lautsprecherlärm (Musik oder Gebete) und oft drängen sich auf den vielfach vorhandenen Gängen/Treppen, die zum eigentlichen Tempel führen,  Verkäufer dicht an dicht. Gut, wenn man gerade Obst und seltsam überzuckerte Süßigkeiten oder Souvenirs braucht, sonst eher befremdlich. (Uns hat aber sowieso gewundert, wie viel Alltagsleben in den Tempeln stattfindet: schlafende, essende, lesende, redende Menschen.)

Zudem sei noch gesagt, dass die Hygienestandards in Myanmar im Generellen eher gewöhnungsbedürftig sind. Das betrifft Essen an den Straßenständen (Adri ist in Myanmar plötzlich vegetarisch geworden…) und auch Toiletten in denen man nicht weiß in welcher Art Flüssigkeit man steht. Manche Teile des Landes stinken wie die Pest weil die Müllentsorgung von Bananenblätter wegschmeißen zu Plastik wegschmeißen ohne Änderung übergegangen ist. Und vollendet wird das Bild von den überall zu findenden roten Bethelnussspuckflatschen auf dem Boden. Der eine spuckt, der andere läuft direkt durch (am besten noch barfuß, da oft ganze Tempelanlagen inklusive Garten und kilometerlangem Treppenanstieg dorthin nur barfuß zu betreten sind). Das alles hat Adri (die ja nicht wie Martin schon an Indien gewöhnt war) in eine Asienkrise gestürzt, die mit viel Bier und Grillgut (unser Weihnachtsessen im BBQgarten) behandelt werden musste.

In einer Tempel-Höhle mit unzähligen Buddha-Statuen  sind wir auf Dorfbewohner gestoßen, die sich für eine Feierlichkeit ihr traditionelles Gewand angezogen hatten. Ein Führer zweier anderer Touristen, die neben uns standen, erklärte, dass diese nur an diesem einen Tag im Jahr aus ihrem Dorf rauskommen. Sie hatten ihre eigenen Mönche dabei. Das Schönste ist dann, wenn man feststellt, dass man selbst genauso angestarrt wird wie wir wahrscheinlich sie angestarrt haben und von den Mönchen auf Zeichensprache gefragt wird, ob sie ein Foto mit uns machen können.

Die Kleidung mag unterschiedlich sein. Wenn sich eine junge Frau in Schale schmeißt wird aber auch in Myanmar erstmal ein Selfie gemacht.

Das einfach atemberaubend schöne Bagan mit seinen unzähligen Tempeln (leider viele vom Erdbeben beschädigt).

In Myanmar soll jeder Mann mindestens einen Tag im Leben Mönch sein. Es gibt so unglaublich viele.

Auch Mönche essen Eis 🙂

Die Höhle, in der wir die Frauen mit den Gewändern fanden. Ein vier oder fünf verschiedene Höhlenräume umfassendes Labyrinth aus Buddhastatuen.

Die weiße Paste auf den Wangen wird traditionell als Schutz gegen Hautalterung, als Sonnencreme und als Parfüm aufgetragen.

So schön leer und ruhig am Strand – ein Paradies

Das Bild wurde mit der Kamera des alten Handys aufgenommen, deshalb leider so verpixelt. Aber so wunderschön sah es wirklich aus!

Der Trabbi unter den Nutzfahrzeugen in Myanmar. Und nein, diesem Fahrzeug fehlt nichts. Es gibt nur Modelle mit freiliegendem Motor.

Fortschrittliche Dorftankstelle mit richtiger Zapfsäule anstelle von Benzin aus Flaschen.

Achso… aber nur im Badeanzug und in hohen Schuhen…?

Die Fischer am Inlesee mit traditionellem Netz und einbeinig rudernd, um die Hände frei zu haben.

3 Gedanken zu „Aus der Zeit gefallen in Myanmar“

  1. Wie gut, dass es Bier und Grills gibt! 🙂 Und falls es das Schild mit den Vorteilen des Wanderns und der bemerkenswerten Veranschaulichung als Plakat zu kaufen gibt, dann wünsche ich mir das bitte! 😀

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