Noch mehr weißer Reis in: Bolivien

Wir fuhren von Cusco über die Grenze am Titicacasee nach Bolivien. Hier war das Essen unglaublich günstig – was uns besonders nach dem Preisschock im Heiligen Tal rund um Cusco sehr freute. Leider war dann aber auch das Essen dementsprechend angerichtet. Heißt: weißer Reis mit nicht essbarem Fleisch – ohne Sauce oder Gewürze. Das einzig Erwähnenswerte waren die frischen, warmen Empanadas mit Tomate und Käse auf der Isla del Sol im Titicacasee…hm!

Erstaunlicherweise verlief die Busfahrt und der Grenzübergang komplett unproblematisch. Das hatten wir anders erwartet, nachdem umser Bus nicht wie geplant um 22.15 Uhr abfuhr, sondern um 20.30, da in Peru am Titicacasee Streik angekündigt war und unser Busfahrer uns begrüßte mit dem Kommentar, wir hätten Glück, wenn wir überhaupt ankämen. Im Nachhinein muss man sagen, dass so eine Straßenblockade beim Streik noch relativ zivil ist (sowas machen die Franzosen ja auch dauernd). Die bolivanischen Minenarbeiter haben den Vize-Innenminister verschleppt und zu Tode geprügelt, weil ihnen ein neues Gesetz nicht passte (http://m.spiegel.de/politik/ausland/a-1109539.html).  Die Isla del Sol im Titicacasee, der auf 3812 m liegt (bizarr!) und eher wirkt wie ein Meer aufgrund seiner Größe, stellte sich als wahres Paradies heraus. In dem kleinen Dörfchen nur einheimische Unterkünfte, aymara sprechende und hart arbeitende, Ziegelsteine verladende Frauen (und Martin dachte, sein Spanisch wäre schlecht 😉 ) und zig Tiere, sonst nichts. Herrlich!

Frauen radeln das Gepäck der Grenzgänger über den Streifen Niemandsland. (Und das WiFi-Schild am Bus lügt.)

Spaziergang mit Schaf und Kalb

Plötzliches Erscheinen einer Lamagruppe am Strand. Fühlt sich seltsam an, diese Kombination aus Sand und Lamas.

Das ist Arbeitsmoral: Ein paar reparieren den Steg, der Rest des Dorfes schaut zu.

 

Potosi – die Stadt der Silberminen. Diese gibt es schon mehrere Jahrhunderte, auch bevor die Spanier kamen wurde dort schon gearbeitet. Zu Kolonialzeiten hatte die Stadt eine große Bedeutung, da sie das Spanierreich mit Silber versorgte. Allerdings starben aufgrund der schlechten Bedingungen ca. 70 Sklaven am Tag. So viele Tote unter den Arbeitern sind es heute nicht mehr, aber immer noch sterben enorm viele an Lungenkrankheiten, umstürzenden Wagen, Steinschlägen etc. In den Minen arbeiten mehrere Kollektive gegeneinander, d.h. das Klima ist sehr schlecht. Arbeitsmittel werden gestohlen oder auch Silber sowie andere Abbauprodukte oder es wird schlicht in „fremden“ Adern gearbeitet. Da kann es auch vorkommen, dass verschiedene Gruppen an einer Ader arbeiten und sprengen und sich plötzlich in der Mitte treffen – natürlich unabgesprochen und mit dem hohen Risiko, sich gegenseitig beim Sprengen oder Bohren zu verletzen. Die Minentour, die wir mitgemacht haben, gab uns einen guten Einblick: stickig und staubig ohne Belüftung, laut weil die eineinhalb Tonnen schweren Karren auf den Schienen donnern und Explosionen stattfinden. Ziemlich beklemmend

Cemeterio de trenes

Salzwüste ‚Salar de Uyuni‘

Sonnenuntergang über dem Salz

Zugschienen nach Chile (am Horizont bereits chilenische Vulkane)

Ob sich alle Flamingos daran halten?

Viscacha

Vikunja – neben Alpakas und Lamas auch häufiger zu sehen, allerdings nur wild. Ganz schön gut getarnt.

 

Dann waren wir in Tupiza und ritten einige Stunden durch die Wild-Western-Landschaft, die berühmt ist für Butch Cassidy und Sundance Kid. Wir konnten uns sehr gut vorstellen, dort auf dem Pferd davon zu rasen…

 

So ein Innenspiegel ist schon praktisch: Da kann man sein Smartphone/Tablet dran machen und dann Videos gucken während der Fahrt.

Bolivien ist aber nicht immer so farbenfroh wie auf der Mehrzahl der Bilder. Ein großer Teil ist Altiplano, also wie der Name sagt hochgelegenes Flachland. Und wirklich – dort gibt es triste Ecken. Windiges, staubiges Flachland mit ärmlichen kleinen Häuschen, alles voll Müll und die Flüsse verdreckt (in Potosi haben wir gelernt, dass die Bergwerkabfälle auch in die Bäche geleitet werden), die Hunde wühlen im Müll und kein Vogel geschweige denn Baum weit und breit. Da waren wir dann richtig glücklich als wir der argentinischen Grenze näher kamen, in die Weingegend um Tarija, und dort Vögel, Bäume und Blüten sahen. Sogar leckeren Wein und Steak (Nähe zu Argentinien zeigt sich…) gab es und wir konmten uns nicht satt sehen, riechen und essen 🙂

2 Gedanken zu „Noch mehr weißer Reis in: Bolivien“

  1. Irre, das sieht echt aus wie auf einem anderen Planeten… Ein bisschen wie Death Valley auch. 🙂 Und die Silberminen klingen wirklich bedrückend.

  2. Hui, trinkt für mich ein gutes Gläschen argentinischen Wein mit! Und wieder einmal bin ich beeindruckt von den Gegensätzen zwischen Wild-West-Feeling, Silberminen, Salzseen und Vulkanen.

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